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Laboratorium Aufklärung
Die Wiener Loge „Zur wahren Eintracht“

laboratorium aufklärungAm 9. April 2011 wurde die neue Ausstellung „Laboratorium Aufklärung“ eröffnetDie Aufklärung war eine gesamteuropäische Bewegung, deren Ideal der sich selbst verantwortliche und sich selbst reflektierende Mensch war, der durch rationales Denken und Handeln zum Fortschritt der Menschheit beiträgt.

Der Begriff „Aufklärung“ („éclairer“, „enligthen“ = aufklaren/erhellen) wurde der Meteorologie entnommen. Er steht für eine experimentierfreudige Epoche (ca. 1720 bis um 1790), die wir auch als „Zeitalter der Vernunft“ bezeichnen.  Das Ideal der Aufklärung war das selbständige, von der Vernunft geleitete, seinem Grundwesen verpflichtete Individuum, das nach Erkenntnis und Wahrheit sucht.
„Aufklärung“, meint Immanuel Kant, „ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen… Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist  also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Politisch galt es, so der Pädagoge Heinrich Pestalozzi, nicht den Menschen zu verstaatlichen, sondern den Staat zu vermenschlichen. Zur Zeit der Aufklärung erlebte die Freimaurerei in ganz Europa seine volle geistige Blüte.  Als gesellschaftliche Formation unter dem humanistischen Prinzip „Mensch unter Menschen“ forderte und formulierte sie die Menschenrechte. Zahlreiche aristokratische Persönlichkeiten wie Franz Stephan von Lothringen oder geistige Größen wie Goethe und Lessing schlossen sich dem Männerbund an.

In Österreich vereinigten sich in den Logen der Freimaurer die Anhänger der Aufklärung und Förderer der Reformen Kaiser Josephs II. – diese reichten vom Toleranzpatent bis zur Zivilehe.
Die bekannteste der damaligen Logen in Österreich war die Wiener Bauhütte „Zur wahren Eintracht“. Sie existierte von 1781 bis 1785, trat vehement gegen Ignoranz und Aberglaube auf und entfaltete eine rege publizistische Tätigkeit („Journal für Freymaurer“). Nicht die Standeszugehörigkeit war in der „Wahren Eintracht“ maßgebend, sondern das Vorrecht der Bildung und Leistung auf dem Gebiet der Wissenschaften und der Künste.

Die Liste ihrer Mitglieder liest sich wie ein „Who is who“: Joseph von Sonnenfels, Verwaltungs- und Justizreformer, ihm ist die Abschaffung der Folter zu verdanken; Franz Anton von Zeiller, Hauptbearbeiter und Vollender des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches; Johann Peter Frank, Vorreiter der prophylaktischen Medizin und Direktor des Wiener Allgemeinen Krankenhauses; Georg Forster, der James Cook auf der zweiten Weltumseglung begleitete, sowie die Komponisten Joseph Haydn und Leopold Mozart.

Wolfgang Amadeus Mozart, Mitglied der Loge „Zur Wohltätigkeit“, stand der „Wahren Eintracht“ sehr nahe. Mit seiner „ Zauberflöte“ propagierte er die Ideen der Freimaurerei öffentlich und ließ in aufklärerischer Programmatik die drei Knaben verkünden:

„Bald prangt den Morgen zu verkünden,
die Sonn‘ auf goldner Bahn.
Bald soll der Aberglaube schwinden,
bald siegt der weise Mann.“

Einen wahrhaft weisen Mann fand Mozart in dem Mineralogen Ignaz von Born, Meister vom Stuhl der „Wahren Eintracht“, der ihm das Urbild des Sarastro lieferte.
Die Blütezeit der Freimaurerei währte nicht lange. Den Reformen und dem revolutionären Aufbruch, gespiegelt in der Französischen Revolution, folgte die Reaktion. Die Forderung nach „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit“ wurde als falsches Rezept angesehen, die Ideen der Aufklärung verworfen. Allen Widerständen zum Trotz blieb die Aufklärung aber als Denkhaltung von Relevanz, stellt sie doch, wie Ernst Troeltsch meint, „Beginn und Grundlage der eigentlichen modernen Periode der europäischen Kultur und Geschichte dar“.

Ob das Phänomen Aufklärung jemals abgeschlossen werden kann, ist fraglich. Sie ist und bleibt ein unvollendetes und vielleicht auch nicht vollendbares Projekt.